Mitten in der Nacht kam ich nach einer langen Busfahrt in Granada an. Mein erstes Mal in einer andalusischen Stadt. Nicht ohne Grund hatte ich mir gerade diesen Ort auf meine Liste gesetzt! Von vielen Leuten hatte ich gehört, dass sich dort die schönste Burg im maurischen Stils soll, ein arabisches Kunstwerk. Gut, dachte ich mir – muss man das gesehen haben? Und meine Antwort nach meinem Granada Abenteuer lautet aufjeden Fall: JAAAAA!!

AlhambraWer die sogennante Alhambra noch nicht gesehen hat, hat etwas in seinem Leben verpasst. Meine Freunde erzählten mir alle, ich solle mir doch unbedingt die Eintrittskarte dafür schon früher an einem Bankautomaten ausdrucken lassen, da die Schlange vor Ort anscheind riesig sein soll. Doch leider wollte der Bankautomat von La Caixa mir die Eintrittskarte nicht ausdrucken. Und nein, das war nicht meine Schuld und liegt auch nicht an „Frauen und Technik“ – der Automat hat einfach gestrikt. Ich dachte mir, ich steh einfach am nächsten Morgen ganz früh auf und steh schon in der Schlange, bevor die Alhambra überhaupt aufmacht. Natürlich schlief ich dann doch noch ein bisschen länger und brauchte auch noch eine kleine Weile mich in den labyrinthartigen Straßen nach oben auf den Berg zurecht zu finden. Vorbei an der wichtigsten Kathedrale Granadas kam ich auf dem Weg nach oben an ein berühmte Straße. In dieser Straße hatte sich der berühmte Künstler El Niño mit seiner Graffiti-Kunst ausgelebt. Sein Graffiti bezog oftmals die Beschaffenheit der Hauswände mitein oder er fügte Sätze hinzu, die zum Nachdenken anregen sollten. Ein Künstler, der es schafft mit Spraydosen so ins Detail zu gehen, dass selbst ich ins Staunen kam.

 

Letztendlich hatte ich es dann doch noch auf den Berg zur Alhambra geschafft und stand erstaunlich weit vorne in der Schlange. Lag vielleicht auch daran, dass momentan nicht unbedingt die Hauptsaison ist und somit nicht so viele Menschen dort waren.

Alhambra14€ kostete mich der Eintritt und ich kann euch sagen, vergesst das Prado Museum in Madrid mit seinem 14€ Eintrittspreis – geht lieber in die unglaubliche, atemberaubende, einzigartige Alhambra nach Granada! Selten war ich von einer Burg mehr überwältigt als von dieser! Doch eins nach dem anderen: Man bekommt zu seinem Ticket auch noch ein Ticket für den sogenannten Palacios Nazaríes. Die Eintrittszeit für den Palast ist sehr begrenzt und man darf nur zu der Zeit eintreten, die auf seinem Ticket steht. Also am Besten gleich zügig hinlaufen und den besten Teil zuerst genießen.

AlhambraDas Besondere an der Alhambra ist nicht nur die Tatsache, dass die Burg auf der Spitze eines sehr hoch gelegenen Berges liegt und somit eine sagenhafte Aussicht bietet, die Alhambra ist auch die schönste Burg, die ich jemals gesehen habe. Die Innenwände sind meist so aufwändig mit Hand bearbeitet worden, dass ich mir immernoch nicht vorstellen kann, wie das zu der damaligen Zeit möglich war. Die arabische Architekturmalerei ist wahnsinnig beeindruckend und befindet sich fast auf allen Innenwänden und Decken des gesamten Schlosses! In den vergangenen Jahren haben viele Restauratoren ihr Bestes gegeben, um Abgenutztes wieder herzustellen. Somit leuchten die Farben wieder richtig und abgebrochene Teile wurden ersetzt.

 

Außer der Architekturmalerei gibt es noch die wunderschönen Gärten im inneren der Burgmauern zu sehen. Ein Garten ist hier schöner als der andere. Wunderbar gepflegt und zurecht geschnitten. Teiche und angelegte Wasserfälle liesen mein Herz höher springen und da ich sowieso einen sonnigen Tag erwischt hatte, konnte mein Tag nicht noch perfekter werden.

 

Viele kleine und große Türme machen die Alhambra einzigartig – und somit auch die Aussicht immer wieder anders. Es gibt einige so kleine Türmchen, bei denen man einfach hoffen muss, keinen Gegenverkehr zu bekommen. AlhambraPlatzangst ist hier fehl am Platz. Bei den großen Aussichtspunkten andererseits kommt man sich total winzig vor und kann gar nicht fassen, was man da vor sich sieht. Zieht auf jeden Fall bequeme Schuhe an, es gibt viel zu laufen! Ich hab es durch die ganze Anlage in 3,5 Stunden geschafft 🙂

 

Die Alhambra war früher die Herberge für den Adel, den Militär und die höherstehenden Bürgern. Heute ist es ein von der UNESCO geschütztes Weltkulturerbe und das, meiner Meinung nach, auch zurecht! Wie gesagt, DIE ATTRAKTION wenn man in Granada ist.

 

Ein weiteres, kleines Highlight bei meinem Besuch in Granada war das Hostel, indem ich übernachtete. Es heißt El Granado und war ein richtiger Glückstreffer. Ein richtig heimisches Gefühl hab ich dort bekommen. Die Leute waren super lieb und fürsorglich, eine Art große Familie. Nico, der Rezeptionist, hatte mir sogar meine Koffer ins Zimmer getragen. Am nächsten Morgen haben wir gemeinsam in seinem Büro die ganze Stadtkarte von Granada zusammen studiert und er erzählte mir von den wichtigsten Plätzen. Das Hostel bestand aus alten Backziegeln, die hin und wieder aus dem weißen Putz hervortraten. Komibiniert mit modernen Möbeln, ein echter Hingucker! Endlich einmal ein Hostel, in dem man sich nicht wie eine Person in der Masse gefühlt hat. Hier kannte jeder deinen Name und das Frühstück wurde noch mit Liebe für dich zubereitet. Wenn ihr nach Granada gehen solltet, geht dort hin! Falls ihr nicht so ein großer Fan von Mehrbettzimmern seid – dieses Hostel bietet auf private Apartments.

 

Am Abend hatte ich mir noch vorgenommen, eine Flamenco Show zu besuchen. Im Hostel fand diese Idee viel Anklang und sofort wurden wir eine größere Gruppe. Der Rezeptionist Nico erzählte mir von einer Bar, in die nur Insider gehen und bei der nicht alles so auf Tourismus ausgelegt ist. Genau sowas hatte ich mir vorgestellt. Vorher gingen wir aber noch in eine legendäre Tapa-Bar. Sie heißt Bodegas Castaneda und ist normalerweise so voll, dass man sich drinnen kaum bewegen kann, nur Einheimische. Mein Vater sagte einst zu mir, wenn ein Restaurant voller Einheimischen ist, seist du genau am richtigen Ort, denn genau dort möchtest du auch essen. Und so war es auch, köstlich! Eine Besonderheit in den Bars in Granada ist außerdem, dass sobald man sich ein Getränk bestellt, man eine kostenlose Tapa erhält. Ein wahrer Geheimtipp und nur in wenigen Städten Spaniens möglich – hier also unbedingt austesten!

 

Danach ging es sofort in die Flamenco-Bar. Ich tanze selbst einmal viele Jahre Flamenco und wurde wieder daran erinnert, warum ich so gerne getanzt hatte. Die Flamenco-Tänzerin war einfach der Wahnsinn und gesungen wurde ebenfalls Live. Ein echtes Erlebnis sag ich euch! Die Bar heißt Le Chien Andalou, befindet sich direkt am Plaza Nueva und präsentiert jeden Abend in der Woche zwei Flamenco Shows. Ein Muss wenn man nach Spanien geht!

 

San Miguel

Granada hat viele Hügel, was viele tolle Aussichtspunkte mit sich zieht, die „Miradouros“. Einen davon erklimmte ich dann auch noch, obwohl ich bereits die Aussicht der Alhambra genossen hatte, den Miradouro San Miguel. Obwohl es ein wenig nebelig wurde, genossen Paul und ich die Aussicht in vollen Zügen. Ein krönender Abschluss für eine tolle Zeit in Granada. Ich entdeckte viele tolle Orte und traf wundervolle Menschen.

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