IMG_8397Sevilla – für mich die schönste Stadt Spaniens. Selbst Barcelona wird somit von ihrem ersten Platz geschupst. Das ich dort gelandet bin, habe ich alles meinem Freund Antonio zu verdanken. Er ist dort selbst aufgewachsen und hat dort immernoch Freunde und Familie. Nur durch seine Beziehungen konnte ich in Sevilla bei seinen Freunden unterkommen. Vielen Dank hierfür nochmal Tony! Victoria, auch Vito genannt, war schon seit Tonys Kindheit seine beste Freundin. Ihre Schwester Raquel gab mir nicht nur einen Platz zum Schlafen, sie überlies mir ihre ganze Wohnung mitten im Herzen von Sevilla! Selten habe ich solche herzensguten Menschen kennengelernt. Sie holten mich vom Bahnhof ab und scheuten auch keine Mühen und Kosten mich dort wieder abzuliefern.

 

Ich wurde zum traditionell spanischen Frühstück eingeladen oder ging mit Raquel in eines der besten Tapas-Restaurants in Sevilla. IMG_8383Dort lernte ich auch gleich ein neues Getränk kennen: Tinto de Verano. Ich kannte dieses Getränk eigentlich schon in ihrer ursprünglichen Form, Rotwein mit süßem Sprudel. Doch nun lernte ich eine abgewandelter Form davon kennen, Rotwein mit Zitronen-Fanta! Ich hatte ein wenig Angst, war dann aber doch sehr positiv überraschend, wie erfrischend lecker das schmeckte. YAMMIE sag ich nur!

??????????Raquel sprudelte nur so vor Euphorie, mir Sevilla zu zeigen. Somit zogen wir nachts noch los, um auch ja keine Kleinigkeit unbemerkt zu lassen. Zuerst wurde mir eine ziemlich neue Sehenswürdigkeit Sevillas präsentiert. Auf Englisch nennt man sie The Mushrooms. Tatsächlich hat der Architekt sich Pilze als Vorlage genommen, um das Gebäude zu erstellen. Ursprünglich sollte die unbenutzte Fläche, auf der sich The Mushrooms befindet, ein großer Park werden. Doch beim Graben in den Boden, fand man archäologische Schätze und somit wurde der Bau verboten. Die Stadt erlaubte es nur, etwas direkt auf den Grund zu bauen und so entstand The Mushrooms. Eine Markthalle am Morgen und ein Szeneviertel am Abend. Viele Einheimische finden das Gebäude bis heute noch zu neumodisch und können sich nicht damit abfinden, dass es gebaut wurde. Ich jedoch finde gerade das das spannende an Sevilla. Dass es diesen Mix aus altmodischen, traditionellen und etwas Modernem hat.

 

Des Weiterem erzählte mir Raquel eine sehr interessante Geschichte über ein Mosaik an einer Kirche. Wer es schafft, den Vogel darauf zu finden, dem wird eine baldige Hochzeit prophezeit. Um so erstaunter war Raquel dann, als ich den Vogel in weniger als 30 Sekunden entdeckt hatte 😀 Ihre Tante hat es bis heute noch nicht geschafft den Vogel zu entdecken, ist schon in den älteren Jahren und immernoch nicht verheiratet.

 

Etwas, das mir in Sevilla auch aufgefallen war, waren die vielen, bereits blühenden Orangenbäume. Ich fragte Raquel, ob man diese denn einfach pflücken und essen dürfe. Sie lachte laut und meinte nur: du kannst es ja Mal probieren. Nicht nur, dass man für das Pflücken ganz schönen Ärger bekommt, die Orangen sind außerdem ziemlich bitter. Die Stadt verwendet die Orangen, um Bitterorangen-Marmelade herzustellen und dann zu verkaufen. Also war da nichts mit Probieren. Aber schön sind sie ja trotzdem anzusehen!

Am nächsten Tag ließ mich Raquel dann alleine hinaus in die Welt und übergab mir ihre Schlüssel für die Wohnung. Nun ging ich selbst auf Erkundungstour. Zuerst ging es zum Plaza de España. ??????????Einer der schönsten Orte, die ich in meinem Leben je gesehen hatte. Keiner weis zwar so genau, zu welchem Zweck das Gebäude gebaut wurde, welcher den Platz erschliest, dennoch ist es überwältigend. Ich muss dazu sagen, es war auch noch strahlend warme Sonne und diese Tatsache lässt mich sowieso gleich glücklicher sein, jedoch hatte dieser Platz so viel Charme und Größe, dass ich einfach platt war. Das wunderschöne Gebäude war so einzigartig und gigantisch. Nicht in dessen Höhe, sondern in dessen Weite.

 

Man kann durch ein offenes Treppenhaus auf die Balkone stiegen und noch eine gigantischere Aussicht genießen. Geht man an dem Gebäude entlang, sieht man verschiedene kleine Mosaike, die jeweils für eine Stadt Spaniens stehen. Die Bewohner aus Spanien kommen oft extra deswegen nach Sevilla, um das Mosaik ihres Landes abzufotografieren.

 

Im Plaza de España integriert ist sozusagen ein kleiner Fluss, der aber nicht wieder in sich übergeht. Man kann es sich als eine Art U-Form vorstellen. An diesen kleinen Fluss kann man verliebte Pärchen beim Tretbootfahren zu sehen, wie sie unter den zahlreichen Brücken hindurchfahren und die Sonne genießen.

Gelangt man über diese kleinen Brücken zum Zentrum des Platzes, kommt man zu einem rießigen Springbrunnen, dessen Plätschern so unglaublich wohltuend für die Ohren ist. Oft konnte ich darin auch kleine Regenbögen entdecken.

 

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Geht man direkt gerade aus von dem Platz weiter, kommt man zum Park Maria Luisa. Selten hab ich einen schöneren Park gesehen, denn dieser ist irgendwie auf eine Art und Weise verwunschen. Es hat viele Lianen, Bögen durch die man hindurch geht, verwachsene Flächen, kleine Stege und Schwäne, die elegant die Teiche entlang gleiten. Irgendwie zauberhaft.

 

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Am großen Fluss Guadalquivir entlang ging ich in Richtung Giralda. Hierbei lohnt es sich, auch mal einen Blick hinein zu werfen. Heutzutage ist die Giralda der Glockenturm der Kathedrale von Sevilla. Doch hoch in den Turm geht es nicht wie gewöhnlich über Treppen, sondern über Rampen. Früher wurden auf den Turm nämlich durch Pferdewägen Dinge wie Waffen oder Lebensmittel transportiert. Somit konnten keine Treppen gebaut werden. DSCN3237Ein abenteuerlicher Aufstieg, der sich lohnt! Ganz oben angekommen, hängen dort noch die alten, rießigen Glocken, die immernoch intakt sind. Ich hatte leider das Pech, das ziemlich wechselhafte Wetter Spaniens an diesem Punkt nicht gerade glücklich getroffen zu haben, denn es windete fürchterlich. Der Wind war eiskalt und ließ kleine Kinder in die Luft steigen, ein Spaß für sich. Die Aussicht war deshalb leider auch ein wenig getrübt, störte mich aber nicht weiter.

 

Kaum war ich untern wieder angekommen, im Innenhof des Kirchengebäudes, schien ganz plötzlich wieder die Sonne, als wäre vorher nichts gewesen. Ich konnte meinen Augen nicht trauen.

 

Einen weiteren Geheimtipp den ich noch bekommen hatte, war mir die Giralda noch von einem Hoteldach aus anzusehen. Soweit ich mich erinnere hieß das Hotel Maria oder ähnliches und befindet sich direkt an dem Platz der Giralda. DSCN3384Meine Freunde meinten, ich solle mir auf deren Dachterrasse einfach einen Kaffee bestellen und hätte somit quasi fast einen kostenlosen Aussichtspunkt auf den Turm. Ich schlich mich also in das Hotel, setzte meine „Ich-bin-ein-Hotelgast-Maske“ auf und fuhr mit dem Aufzug hinauf. Oben angekommen, war es wie ausgestorben. Kein Mensch war da. Niemand. Ich dachte mir, bevor jemand kommt, machst du jetzt aber noch ein paar Bilder. Rannte hinaus, schoß meine Bilder und war überaus glücklich darüber, hierfür nicht mal Geld für einen überteuerten Kaffee ausgeben zu müssen. Plötzlich hörte ich jedoch Stimmen und wusste sofort, dass das Hotelangestellte sein würden. Ich versteckte mich hinter einer Mauer, musste aber doch irgendwie an ihnen vorbei kommen.?????????? Dies war leider nicht möglich, da die beiden Angestellten wohl beschlossen hatten, ein längeres Trätschchen zu halten. Ich wusste, ich musste schnell handeln, denn sonst würde es peinlich werden. Ich kam also hinter der Mauer hervor und fragte verwirrt auf Spanisch: bekomme ich heute hier kein Kaffee? Und die beiden antworteten verwundert darüber, dass sich ein Gast auf der Terrasse befand: Wegen dem Sturm vorhin ist die Terrasse vorübergehend geschlossen. Ich bedankte mich enttäuscht und schritt schnellen Schrittes zum Aufzug. So entkam ich der Peinlichkeit dann also doch. Ich hatte meine Aussicht bekommen, meine Fotos und musste nichts dafür bezahlen, ich war glücklich.

Mit dem Eintrittskarte für die Giralda bekommt man auch (WICHTIG) eine Eintrittskarte für die Salvador Kirche. Somit ging ich also zum Plaza del Salavador und ging in dessen Iglesia. Eine schöne Kirche, die mit so viel Gold verziert war; so etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Wenn man das Ticket schon hat – sehenswert! Wenn nicht, muss man es auch nicht unbedingt machen.

 

Am nächsten Tag besuchte ich dann Vito, Antonios beste Freundin zum spanischen Frühstück. Vito hat erst vor 2 Monaten die kleine Carmen auf die Welt gebracht und als Gastgeschenk ging ich der Kleinen vorher noch pinke Babyschuhe kaufen. Vito war ganz hin und weg und meinte ich sei die erste Person, die Carmen Babyschuhe gekauft hat. Sonst bekommt sie nur Kleidung und das wäre jetzt ihr erstes Paar Schuhe. Ich fühle mich sooo geehrt! Und die Kleine ist sooo ein süßes Kind. Sie schreit nicht und kuschelt gerne. Was will man mehr 😀 Ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen.

 

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Gegen Mittag machte ich mich dann bereits wieder auf den Weg, mir die Stadt näher anzusehen. Zuerst zog es mich zum sogenannten Barrio Santa Cruz. Eine Bezirk Sevillas mit sehr sehr schmalen Gängen, die sich durch den ganzen Teil der Stadt ziehen. So schmal, dass man sogar beide Hauswände mit den Händen berühren kann. Dort gehen viele Sevillaner an heißen Sommer tagen hin, um dort die kühle Frische zu genießen.

Nun hatte ich gehört, dass es hier eine Burg gibt, die der in Granada, der „Alhambra“ sehr ähneln soll, Alcazar. Ich hatte wirklich nicht vorgehabt dort hinein zugehen, ließ mich dann aber doch von Antonio überreden.DSCN3640 Im Endeffekt muss ich sagen, hat es sich für mich persöhnlich nicht gelohnt dort hinzugehen. Ich war einfach schon zu Voreingenommen von der Überwältigung der Alhambra, dass ich alles mit einem sehr skeptischen Blick betrachtete. Es ist durchaus eine schöne Burg mit tollen Gärten, kann aber meiner Meinung nach nicht mit der Alhambra mithalten. Vielleicht ist es einfach die Größe, da die Alhambra um einiges größer ist, oder vielleicht auch die Aussicht, die die Alcazar nicht bieten kann, weil sie mitten im Stadtzentrum ist, ich weiß es nicht. Für mich jedenfalls bleibt die Alhambra die Number One.

 

Als ich jedoch aus der Alcazar heraus ging, wurde ich von einer großen Gruppe sevillanischer Tänzerinnen begleitet. Ich weis bis heute nicht, was der Anlass dieser Frauen war, sich so zu kleiden. Sie machten sich auf den Weg zur Kirche der Giralada und warteten dort ewig und bereiteten sich dort auf irgendetwas vor. Vielleicht kann mir ja irgendjemand von euch sagen, was diese Frauen dort gemacht haben?

 

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Danach ging es für mich, wie passend, in ein Flamenco-Museum. Das wahrscheinlich beste und interessanteste Museum, das ich je gesehen hab. In der Zwischenzeit hab ich ja wirklich schon viel gesehen, bin von einem Museum ins nächste. Die Inhaberin des Museums war selbst einmal professionelle Flamencotänzerin und zeigt auf unterschiedlichste Weise die Entstehung des Flamenco, dessen Entwicklung, die verschiedenen Stile, mit welchen Gegenständen man tanzen kann oder stellt die Kleider der berühmtesten Tänzer aus. Danach kommt noch so eine kleine Kunstgalerie mit Werken, die alle irgendwie mit Flamenco zu tun haben. Das ganze Museum ist nicht nur zum Durchgehen, sondern es gibt interaktive Stationen; meterhohe Bildschirme, die einen umgeben und auf denen z.B. die verschiedenen Stile vorgetanzt werden oder einfach Stationen zum Dastehen und überrascht werden. Dieses Museum macht echt super viel Spaß und kann sogar noch mit einer abendlichen Show gebucht werden. Diese sollte aber früher im Voraus gebucht werden, da der kleine Saal nur begrenzte Plätze hat. Lohnt sich also, da unbedingt reingehen!

 

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Daraufhin traf ich mich noch mit einem weiteren Freund von Antonio, mit Ismael. Er hatte eine lange Zeit bei Starbucks gearbeitet und verschaffte uns somit kostenlose Getränke bei Starbucks. Solche Freunde braucht man 😀 Wir hatten einen rießen Spaß, denn Ismael ist ein Mensch, der dauernd über beide Backen strahlt. Solche Menschen sind mir sofort sympathisch! Er erzählte mir aber auch viel über Sevilla und dessen schlechten Arbeitsmarkt. Es war super spannend solche Geschichten einmal direkt von jemand vor Ort zu hören. Ein super Nachmittag.

 

Eine letzte Sache, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte, war der Torre del Oro. Der Turm ist quasi ein Überbleibsel der ehemaligen Stadtmauer Sevillas und diente als militärischer Turm.

 

Weil ich ja unbedingt der Kartenfunktion meines Handys folgen wollte, anstatt auf meine Umgebung zu achten, lief ich jedoch erst einmal in die falsche Richtung. Es war direkt vor meiner Nase gewesen und ich musste mich sputen das schöne Gebäude am Wasser noch bei Sonnenuntergang zu erwischen. Aber es hatte sich gelohnt. Das goldene Gebäude leuchtete nur so in der Sonne, genau wie es der Name schon vorausgesagt hatte („oro“ = „Gold“).

 

Ein sehr schöner Abschluss für meine Reise nach Sevilla gewesen. Diese tolle Zeit hab ich so gut wie nur den tollen Menschen zu verdanken, die ich dort dank Antonio treffen durfte. Ich bereue keine Sekunde! War wieder einmal ein toller Stopp auf meiner Reise. Nun hieß es: Weiter geht’s nach Portugal. Lissabon ich komme!

XOXO, Carolina

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