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Nach Verona ging es eigntlich verhältnismäßig schnell. Inzwischen kannten Reny und ich uns immer besser auf den Straßen Italiens aus; versuchten uns ein wenig an die verrückten Autofahrer anzupassen. Dennoch: Italiener fahren wie die Irren Auto. Sie genießen sonst ihr Leben in Ruhe und Gelassenheit, doch geht es ums Autofahren, sind sie die größten Stresser und Drängler. Ich versteh das einfach nicht!

imageAls wir in die Innenstadt Veronas einfuhren, waren wir beide sofort verzaubert. So viele klitzekleine und vorallem enge Gassen, alles mit Kopfsteinpflaster ausgelegt, alte Gemäuer und jede Menge Flair. Das Problem dabei war nur, sich nicht zu verfahren. Die Stadt ist aufgebaut wie ein kleines Labyrinth, da so gut wie jede Straße eine Einbahnstraße ist. Da half auch ein Blick auf unsere Karten nicht. Als wir dann endlich einen Parkplatz gefunden hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem „Hostel“. Wir befanden uns mitten in der Innenstadt, neben unendlichen Shoppingmöglichkeiten und konnten einfach unser Hostel nicht finden. Bis wir endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, ein kleines Schild mit dem Aufschrieb „B&B Next door to Juliet’s House“ fanden, unser Hostel. Jedoch war es irgendwie nur eine Tür zwischen zwei Shops – „Wie konnte das ein Hostel sein?“, fragten wir uns. Nach ewigem Warten auf die Vermieterin, erreichten wir endlich unser Zimmer. Doch es war mehr als nur das. Das ganze Hostel bestand eigentlich nur aus vier Apartments. Jedes Zimmer hatte sein eigenes Bad und man teilte sich immer zu zwei eine Küche. Alles war supersüß und liebevoll dekoriert. Die Besitzerin kümmerte sich selbst um alles. Fragte uns wann wir frühstücken wollen, dann würde sie kommen und uns Frühstück machen. Zuckersüß! Alles war sauber, modern und genau richtig. Privatsphäre ist dann zwar für Italien doch irgendwie ein Fremdwort, doch war es schon in Ordnung. Außerdem befand sich unser Apartment dann ja auch noch mitten MITTEN im Stadtzentrum. Das machte im Endeffekt sowieso wieder alles perfekt.

Reny und ich waren also wunschlos glücklich. Für einen Moment zumindest. Bis wir herausfanden, dass wir uns mit dem Auto in einer ZTL (Zona Traffico Limitato) befanden. Das heißt im Klartext: nur Anwohner dürfen zu jeder Zeit in das Stadtinnere hineinfahren. Für alle anderen gilt: nur zu begrenzten Uhrzeit Einfahrt. Wir schauten uns panisch an und rannten sofort zum Auto um dieses umzuparken. Für 5€ pro Tag hatten wir einen sicheren Parkplatz außerhalb der Stadtmauern für Luigi gefunden. Bis heute bleibt jedoch immer das mulmige Gefühl, dass da eine große Rechnung auf uns zukommen wird. Ich habe nämlich gehört, dass einen Strafen bis über 100€ erwarten könnnen, auch noch 3 Monate nach dem eigentlichen Aufenthalt. Also drückt uns die Daumen, dass da nichts kommen wird!

Ponte ScaligeroWir zwei machten uns am Morgen wieder einmal früh auf, um uns auch kulturell einwenig zu beglücken. Unser erstes Ziel: das römische Theater (Teatro Romano di Verona). Durch die Stadt hindurch und über wunderschöne Brücken, wie die Ponte Scaligero, kamen wir an und waren mit 3€ Eintrittspreis vollkommen zufrieden. Eigentlich ist das vielleicht nicht das erste Sightseeing Ziel eines normales Touristen, aber wir sind ja auch keine normalen Touristen!

Steht man ganz oben auf den Treppen dieses alten Theaters, hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt Verona selbst. Wir hatten unseren Spaß dabei, die Treppen auf und ab zu rennen und genossen die Aussicht. In den Bereichen der Reihen selbst befinden sich noch zahlreiche architektonische Dekorelemente des ursprünglichen Baus, Inschriften und Steinmonumente aus der Römerzeit.

Oberhalb der Steintreppen gelingt man in das Archäologische Museum, welches sich in den Gemäuern des ehemaligen Klosters der Jesuaten befindet. Dort sind viele Statuen aufgestellt und alter Mosaikreste, die alle auf die Geschichte des Klosters in Verona hinweisen. Wir fanden das Museum jetzt nicht soo interessant, aber jeder Mensch hat da ja seinen eigenen Geschmack. Für 3€ kann man da nicht meckern. Ganz oben auf dem Gebäude angekommen hat man zudem noch einen atemberaubenden Ausblick auf Verona, wenn man das Wetter dazu hat 😀

Danach machten wir uns zu einem Gebäude auf, dass uns beim Autofahren nach Verona hinein ins Auge gestochen war. Ein große „Eye-catcher“ wenn man an einer großen Kreuzung fährt, dieses enorme, weiße Gebäude. FriedhofAls wir uns dem näherten, war es für uns immer noch nicht klar, was es eigentlich darstellen sollte. Schöne Löwenstatuen davor und irgendeine Inschriften, für die unser Italienisch und Latein nicht gut genug war. Sobald wir aber in das öffentliche Gebäude eintraten, war uns sofort klar: wir waren auf einem Friedhof (?!). Nun fühlten wir uns irgendwie unwohl davor soviele Posing-Fotos gemacht zu haben. In meinem Leben hab ich noch nie so viele Gräber auf einem Fleck gesehen. Der Innenhof des Gebäudes war zwar wunderschön und riesengroß, dennoch war alles dort ziemlich gequetscht. Sogar in den Marmorboden waren Gräber eingelassen, auf denen einfach nur eine Bilderansammlung der Familien stand. Man musste fast schon einen kleinen Parkour laufen, um nicht ausversehen in der Halle auf einen Blumenstrauß zu treten. Ziemlich einzigartig das Ganze!

Daraufhin hieß es erstmal „Innenstadt erkunden“ für uns. Wir wohnten zwar direkt darin, doch umgeschaut hatten wir uns bisher noch nicht. Wir fanden heraus, dass wir nicht nur im Stadtzentrum wohnten, nein auch die große Shoppingstraße war quasi nebenan. Von günstigen Läden bis zu den ganz großen Marken war alles dabei. Alles funkelte uns nur so an und wir bekamen wieder unser Dauergrinsen. Das hieß wieder: Shoppingrausch.

Gleich am Ende der Straße befindet sich eine große und berühmte Arena, die nach dem Kolosseum und der Arena von Capua die drittgrößte der erhaltenen antiken Amphitheater der Welt gehört. Früher fanden dort noch Gladiatorenkämpfe statt, wo heutzutage Opern vorgeführt werden. Leider konnten wir das gute Stück nur von Außen betrachten, da es zu dem Zeitpunkt geschlossen war.

 

Innenstadt

Als Reny und ich dann letztendlich hungrig wurden, gerieten wir auf den Piazza delle Erbe. Es fing gerade an zu dämmern und dort waren kleine Stände aufgestellt, die neben frischen Früchten und Gemüse auch kleine Souvenirs verkauften. Alles total niedlich gemacht. Zum Verlieben. Am liebsten hätte ich gleich alles mitgenommen. Die Lichter haben alles noch schöner gemacht und als dann der Mond herauskam, war es sowieso schon um mich geschehen. Reny und ich hatten kleine Schwierigkeiten uns für das richtige Restaurant zu entscheiden, da wir vor lauter Hunger nicht mehr klar denken konnten. Wir entschieden uns für ein total tolles Restaurant, dessen Namen ich leider nicht mehr weis. Es war allerdings eine wahre Köstlichkeit dort. Nur frische und selbstgemachte Produkte. Meine Gnocci zergingen mir nur so auf der Zunge. Als wir dann auch die Rechnung schauten, irritierte uns jedoch ein Aufschlag namens „coperto“ von 5€. Wir fragten den Kellner und er meinte das sei dafür, dass sie uns Besteck, Geschirr und eine Serviette geben. In Italien sei das üblich. Wir waren da erst mal geschockt und fanden das einfach total lächerlich. Worauf sollten wir denn sonst essen? Vom Boden?

 

Die berühmteste Liebesgeschichte der Welt. Romeo und Julia, die Shakespeare in seinem Drama unsterblich machte, hat in Verona, neben einer allgemeinen Übereinstimmung mit der mittelalterlichen Atmosphäre, auch konkrete Bezugspunkte. Einer davon ist das so genannte Haus der Julia, in dessen Innenhof man den berühmten Balkon sehen kann.

Romeo und Julia

Romeo und Julia

An diesem Morgen realisierten wir als erstes eine Sache: wir wohnten keine drei Schritte von Julias Balkon entfernt und hatten es nicht einmal gemerkt. Ich persönlich hatte mich schon über den Andrang im nachbarischen Innenhof gewundert, mir dabei aber nichts gedacht. Doch als wir den berühmten Balkon Julias im Internet recherchiert hatten, wurde uns bewusst, dass wir die ganze Zeit daran vorbei gegangen waren. Um so mehr ein Grund für uns, dem Balkon einen Besuch abzustatten.

Ich persönlich empfand den Ort als verzaubernd. Genauso wie ich es aus dem Film „Briefe für Julia“ gesehen hatte, waren an den Wänden kleine Botschaften und Liebeserklärungen versteckt. Der Balkon selbst machte den Ort irgendwie noch speziell, auch wenn das ganze ja eher eine Legende ist. Dass dieses Haus eigentlich erst 350 Jahre nach den Ereignissen gebaut wurde und der Balkon an sich aus einem alten Sarkophag an die Fassade gezimmert wurde, interessiert hier keinen. Wichtig ist nur diesen Ort auf sich wirken zu lassen und sich die damalige Situation vorzustellen. Unglaublich romantisch.

Julias Balkon

Dann wäre da noch die Statue von Julia (eigentlich die Darstellung einer Frau namens Francesca). Berührt man ihre rechte Brust, dem sind laut Legende höchste Sinnesfreuden sicher. Ein weiteres MUST-DO ist sich auf der Wand zu verewigen und ein Foto zu machen. Hat man das alles geschafft, wird man von Glück nur so überhäuft … oder so.

Hat man sich Julias Haus angesehen, fehlt traditionell nur noch Julias Grab, um der Geschichte ein rundes Ende zu geben. Hierfür liefen wir quer durch die ganze Stadt, um ihr Grab zu begutachten. Nach ein paar kleinen Umwegen, bezahlten wir brav unsere 3€ Eintritt und betraten zunächst das Julia&Romeo Museum. Mit etlichen Skulpturen und verschiedensten Darstellungen ihrer Geschichte, kamen wir in einen großen Garten mit einer Herzskulptur. Das ganze Konzept war auf die Liebesgeschite ausgelegt, was ich ziemlich goldig fand. Auch Bilder waren unter der Ausstellung. Für 3€ absolut sehenswert. Das Museum zeigt einiges über das Leben Shakespeares und verbindet, durch Romeo und Julia, mit der Stadt Verona selbst.

 

Julias Grab

Als wir dann endlich in die Nähe des Grabes kamen, gingen wir über einen niedlichen kleinen Garten, an einem Brunnen vorbei, runter in die Grabkammer. Alles war ziemlich dunkel und düster dort unten. Das Grab selbst war aus Stein in einer Steingrotte. Nicht so spektakulär wie erwartet, aber die Stimmung hat’s rausgerissen. Ich fands total super.

Alles in einem kann ich sagen, Verona ist eine wunderschöne und vorallem niedliche Stadt. Beim Parken muss man hier sehr aufpassen, auch die Straßen sind so eng, dass man mit einem großen Auto dort lieber nicht hinein fährt. Sehenswert sind trotz all den falschen Legenden aufjeden Fall die Orte über die Geschichte von Romeo und Julia. Verona ist ein Ort für Verliebte, eine ziemlich romantische Stadt. Nicht nur aufgrund der Geschichte, auch die Atmosphäre dort ist unheimlich schön. Ich würde dort sofort wieder hingehen!

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