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Von Venedig aus ging meine Reise nun ohne Reny weiter. Nachdem sie in den Zug zurück in Richtung Ulm gestiegen war, machte ich mich auf nach Rimini und machte dabei einen kurzen Halt in der bezaubernden Stadt Bologna.

Karte, Bologna, RiminiEs war ein komisches und mulmiges Gefühl ohne Reny zu fahren. Wir waren ein eingespieltes Team geworden. Navigator und Fahrer. Nun war ich alleine. Doch ich dachte mir: CHALLENGE ACCEPTED!

Bologna ist nicht nur eine beliebte Studentenstadt, die Hauptstadt der Emilia-Romagna lockt auch mit ihren Spezialitäten im Punkto Essen. So ist die Stadt Heimat der Tortellini und der Wurstspezialität Mortadella, sowie auch der Bolognese. Ein weiterer Spitzname, la rossa – die Rote Stadt – bezieht sich auf die überwiegend roten Häuserdächer, und auf die politische Färbung Bolognas: Sie ist eine der letzten Bastionen der italienischen Kommunisten.

Einen Regenschirm braucht man in dieser Stadt nicht – selbst wenn es regnen würde. Bolognas Innenstadt besteht aus unendlich vielen Kilometern von Arkaden, die der Stadt einfach ihren Charme geben.
Bologona ist aber auch vor allem für Lederprodukte bekannt. Also wer mal schnell einen schönen Gürtel oder eine neue Handtasche haben will, ist hier genau richtig. Die Shoppingtour muss allerdings gut getimt sein, denn die meisten Geschäfte sind von 9 Uhr bis 13 Uhr und von 16 Uhr bis 19:30 Uhr geöffnet. Also nutzt die Zeit und klappert die „Via Indipenza“ ab. Da gibt’s alles. Von den billigen Ladenketten bis zum teuren Juwelier.

Meiner Meinung nach gibt es in Bologna auch das weltbeste Eis, das ich jemals gegessen habe! Mein absoluter Geheimtipp, merkt euch Cremeria Scirocco! Dort gibt es nicht nur die besten Standartsorten, auch Eis aus Büffelmilch oder atemberaubendes Sorbet gibt’s dort zu ergattern.

Wer nach Bologna mit dem Auto fährt, sollte beachten, dass es hier ganz extreme Regeln für die Einfahrt bzw. das Parken gibt. Um all diese Probleme zu „umfahren“, parkt vor Ort in einem Parkhaus und ihr solltet okay sein. Die Parkhäuser sind nämlich eine Art Grauzone und man befindet sich somit nicht auf den Straßen Bolognas, auf denen man als Tourist einiges zahlen müsste. Also einfach im zentral gelegenen Parkhaus parken und alles ist gut.

Als ich mit meiner Begutachtung der Stadt Bologna fertig war, machte ich mich auf den Weg nach Rimini. Ich brauchte jetzt ein wenig Strandfeeling. Ich hatte über das Internet ein wirklich günstiges Hotel am Strand gefunden. Doch für 19€ die Nacht, erwartete ich bei einem Hotel nicht viel. Ich setzte mich und beschloss die Landstraße nach Rimini zu benutzen. Die Autobahngebühren in Italien sind einfach unglaublich hoch und somit konnte ich ein wenig Geld sparen. Ich fuhr in den Sonnenuntergang und kam bei Einbruch der Dunkelheit an der Strandseite Riminis an.

Ich war bei der richtigen Adresse, doch erschien mir das Hotel viel zu edel für meine Preiskategorie. Doch der Name stimmte, Club Hotel St. Gregory. Ich parkte also geschwind und huschte an die Rezeption. Ich wollte mich vergewissern, dass ich auch richtig war. Und Tatsache, meine Reservierung wurde bestätigt und ich war der glücklichste Mensch der Welt. Für mich musste nur noch eine wichtige Frage beantwortet werden: „Wo kann ich hier günstig parken?“. Der Concierge lachte und sagte: „Das Hotel hat private Parkplätze, parken Sie doch einfach da. Es ist umsonst“. Ich hätte diesem Mann um den Hals fallen können. Der Tag war nur perfekt. Luigi war sicher untergebracht und ich machte mich auf zu meinem Zimmer. Auch dieses Zimmer überwältigte mich. Ich hatte ein großes Doppelbett, sowie ein riesen Sofa für mich alleine. Einen Balkon, einen Safe, ein großzügiges Bad mit Badewanne und Dusche. Ich konnte mir mein Grinsen nicht mehr verkneifen. Auch WLAN war überall frei verfügbar. Das alles für nur 19€!

Hotel St. Gregory

Frozen Yoghurt, Hotel St. Gregory

Am nächsten Morgen ging ich ausgeschlafen zum Frühstücksbuffet und wurde wieder einmal völlig überrascht. Statt dem üblichen „Hostel-Fraß“ wie Toast und Instantkaffee, erwartete mich ein übergroßes Buffet mit frischen Aufschnitten, frischem Obst, Frozen Yoghurt, frische zubereitete Pancakes und Rührei sowie leckeren Kaffee. Außerdem war das Buffet anscheinend auch noch bekannt für die selbstgemachten Kuchen und Gebäcke. Nach diesem Frühstück verlängerte ich meinen Aufenthalt von zwei auf vier Tage sofort. Ein bisschen Luxus musste jetzt schon drinnen sein.

Hierbei erfuhr ich auch, dass das Hotel diesen Spitzenpreis immer in der Nebensaison anbietet, um somit wenigstens etwas Leben in das Hotel einzuhauchen. Ich war begeistert.

Ein Strandspaziergang sollte gegen Abend auch noch drinnen sein. Ich genoss die Stille und Schönheit und konnte für einen Moment endlich mal ein wenig Ruhe finden. Stundenlang schlenderte ich mit nackten Füßen im kühlen Sand und sah der untergehenden Sonne zu.

Am nächsten Tag wollte ich einen kleinen Ausflug in einen Freizeitpark namens „Italia in Miniatura“ machen. Ein Park indem ganz Italien in Miniaturform dargestellt sein sollte. Ich war gespannt was mich erwarten sollte. Vor Ort gab es außer für kleine Kinder keine Rabatte und ich musste den vollen Preis von 20€ zahlen. Ich dachte mir, es sei etwas besonderes, also könnte ich schon mal ein bisschen mehr Geld ausgeben. Das war ein Fehler. Es war schon spannend zu sehen, wie die wichtigsten Architekturen Italiens abgebildet waren, doch erinnerte mich das Ganze eher an Legoland ohne Achterbahnen. Ich fühlte mich einfach zu alt dafür. Die Hälfte der Attraktionen waren aufgrund der Nebensaison gar nicht geöffnet und alleine mit einem Wasserboot auf und ab zu fahren verlor nach dem dritten Mal auch seinen Reiz.

Eine Station fand ich allerdings wirklich schön: Italia in Miniatura hatte versucht Venedig nachzubauen und man fuhr mit einem kleinen Boot durch die Kanäle Venedigs, unter der Rialtobrücke hindurch und an zahlreichen schön nachgestellten, alten Gebäuden vorbei. Bei strahlender Sonne war das eine wirklich angenehme Fahrt.

Auch danach auf dem Markusplatz herumzulaufen, auf dem man Tage zuvor tatsächlich gewesen war, war eine super Sache. Sogar das kleine Caffè Florian war aufgemalt. Bezaubernd.

Italia in Miniatura

Auch ein paar kleine Sehenswürdigkeiten Europas ließen sich in dem Park entdecken. Vom deutschen Schloss Neuschwanstein bis hin zum Pariser Eiffelturm, waren einige tolle Dinge dabei. Auch Orte wie die St Paul’s Cathedral in London, die Kirche El Duomo in Mailand oder den St. Patricks Rock in Irland ließen sich dort finden. Ich habe damit gleich mal Vergleichsbilder zwischen Original und Fälschung erstellen können.

St. Paul Church, London,  Italia in Miniatura

Milano Piazza Duomo

St. Patricks Rock, Ireland, Italia in Miniatura

Alles in einem war der Tag in dem Park dennoch sehr schön. Auch wenn das Ticket sowie das Essen und Trinken völlig überteuert waren, der Park wie leergeblasen und ich mir ein wenig zu alt vorkam – machte ich das Beste daraus.

Am nächsten Tag nahm ich mir vor, die Innenstadt zu erkunden. Ich hatte von einem wundervollen Markt gehört, der an diesem Morgen seine Tore öffnen sollte. Über die Tiberiobrücke gelangen Paul und ich in das kleine aber feine Städtchen. Kurze Zeit darauf hatte ich auch schon den großen Markt entdeckt. Er verlief über viele Ecken und Kurven und von Platz zu Platz gab es unterschiedliche Angebote. Von Kleidung bis Lebensmittel war alles dabei. Ein schöner Markt, der aber leider auch viel Ramsch verkaufte. Daraufhin lief ich noch ein wenig umher, entdeckte „wichtige“ Tore und Kirchen, sowie auch kleinere Shoppingmöglichkeiten.

Die Innenstadt an sich würde ich jetzt nicht als besonders beschreiben, eher als unscheinbar und gewöhnlich. Eine nette, italienische Innenstadt. Mehr aber auch nicht.

Bei meiner Rückkehr wurde ich von einigen komischen Italienern angegafft und nach einem Date gefragt. Schnell machte ich mich auf den Weg zurück zum Hotel und entkam somit den seltsamen Situationen. Dort angekommen, konnte ich es mir nicht verkneifen den mir inzwischen vertrauten Concierge zu fragen, ob dieses Verhalten der italienischen Männer normal sei. Daraufhin entfachte eine riesige Diskussion in der Hotelbar und plötzlich kamen immer mehr Leute hinzu, um über dieses Verhalten zu philosophieren. Es war ein Mordsspaß und umso später es wurde, desto größer wurde die Gruppe. Vor allem viele Engländer beteiligten sich. Am Ende kamen wir zu dem Resultat, dass die touristische Stadt Rimini für diese Art von Männern verantwortlich ist. Sie wollen normalerweise die Touristen abzocken und da in der Nebensaison momentan nicht viel los ist, gehen sie auf jeden los. Ich muss sagen, diese Theorie mochte ich. Immerhin war mir diese Aufdringlichkeit bisher nur in Rimini aufgefallen. Also sind nicht alle Italiener sind so.

Mit der Truppe von Engländern gingen wir dann auch noch in einem edlen Fischrestaurant eine Kleinigkeit zu uns nehmen. Sie hatten den langen Weg nach Rimini auf sich genommen, um ein Fußballspiel in San Marino gegen England anzuschauen. Irgendein wichtiges Qualifikationsspiel für die WM. Wie auch immer! Ich bin da nicht so der größte Verfolger. Der Abend war jedenfalls unglaublich witzig und endlich konnte ich wieder normales Englisch sprechen. In Italien versteht einen nämlich kaum einer, wenn man nicht gerade die einfachsten Vokabeln verwendet.

Rimini entspannte mich und gab mir genügend Kraft meine weiteren Abenteuer entgegen zu sehen. Ich war gespannt was noch so kommen würde.

XOXO, Paul und Caro

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